Bodenversalzung von Maputos Gemüsegärten, Mosambik

Integrierung von Kleinbauern in angewandte Agrarforschung:

Angepasstes Management des Versalzungsproblems in Maputo’s stadtnahen Gemüsebaugebieten

 „Partizipative Erprobung von Strategien zum Management von Bodenversalzung in Gemüsebausystemen des südlichen Mosambik“

Die Idee zu diesem Projekt entstand bereits vor einiger Zeit, im Jahr 2018, als Jakob und Matias eine explorative Feldstudie zum Problem der Bodenversalzung innerhalb des stadtnahen landwirtschaftlichen Grüngürtels Maputos, der Hauptstadt Mosambiks, durchführten. Jakob, einer von Weltweits neusten Mitgliedern, erlangte kürzlich seinen Masterabschluss in ‚Agriculture and Resource Management in the Tropics and Subtropics‘ an der Universität Bonn. Universitätskontakte führten ihn damals nach Maputo und an die Universität Eduardo Mondlane (UEM), Mosambiks renommierteste Lehr- und Forschungseinrichtung, um dort sein Abschlussprojekt durchzuführen. Erklärtes Ziel war es, die Ursachen, das Ausmaß, sowie lokale Wahrnehmung und Wissen bezüglich des örtlichen Versalzungsproblems  zu untersuchen. Die mehr als 10.000 Kleinbauern, welche die lokalen küstennahen Feuchtgebiete bewirtschaften, garantieren für die kontinuierliche Versorgung der Hauptstadt mit frischem Gemüse. Allerdings stellen ein hoher Schädlingsdruck, ungünstige Niederschlagsverteilung (zum Teil verschärft durch Klimawandeleffekte), unzureichender Zugang zu angemessenen Agrarinputs, und eben auch Bodenversalzung weitverbreitete Herausforderungen dar und beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Gemüseproduktion. Während erstgenannte Probleme bereits seit längerer Zeit auf der Agenda lokaler Agrarforschung und -beratung standen, so war Bodenversalzung ein bisher kaum untersuchtes und kontextualisiertes Thema.

Jakob wurde im Rahmen seiner Forschung nicht nur intensiv durch die Agrar- und Forstwirtschaftliche Fakultät der UEM betreut. Er erhielt ebenso wertvolle Unterstützung von Matias, in seiner Funktion als technischer Koordinator der Abteilung für „Landwirtschaft, Tierhaltung, Fischerei und Beratung“ der Stadtverwaltung Maputos (DAPPE). Matias stellte die für die Forschung essenziellen Kontakte zu den lokalen Anbauorganisationen her, und fungierte mit der Zeit auch immer mehr als tatkräftiger Forschungspartner. Er hält einen Masterabschluss in Bodenkunde von der Universität Lavras (Brasilien) und arbeitet bereits seit 8 Jahren für DAPPE. In all dieser Zeit blieb er auch immer der Wissenschaft treu; wirkte in diversen Forschungsprojekten als Berater mit und übernahm Teilzeit-Lehraufträge an örtlichen Hochschulen.

Jakobs und Matias Studie, welche 2019 fertiggestellt wurde, ergab, dass Bodenversalzung in der Tat eine ernstzunehmende und sich potenziell verschärfende Herausforderung an Maputos  Agrarsystem darstellt. Die lokalen Ursachen für das Problem sind komplex. Hydrologisches Missmanagement, Urbanisierungseffekte, Meeresspiegelanstieg, sowie Klimawandelaspekte spielen wohl eine Rolle. Die Kleinbauern kämpfen mit Bodendegradation, zurückgehenden Erträgen, bis hin zu gänzlichem Verlust ehemaliger Ackerfläche. Den Betroffenen fehlt es oftmals an Fachwissen und finanziellen Kapazitäten, um diesen Prozessen entgegenzuwirken und das Versalzungsproblem nachhaltig zu managen. Auf der Suche nach geeigneten Lösungen stellten Jakob und Matias mit Erstaunen fest, dass anwendungsorientierte Forschung im Kontext von Bodenversalzung und Gemüsebau praktisch inexistent ist. Der tatsächlich sehr große Fundus an relevanter wissenschaftlicher Literatur beschränkt sich weitestgehend auf Grundlagenforschung, durchgeführt unter kontrollierten Gewächshausbedingungen, und lässt sich daher leider nicht direkt auf die komplexen Realitäten kleinbäuerlicher Landwirtschaft anwenden. Trotz alledem zeigt dieser Wissensfundus eine Vielzahl potenzieller Lösungsansätze auf. Vielversprechend sind u.a. verbessertes Bewässerungsmanagement (z.B. Tröpfchenbewässerungssysteme), Mulchsysteme, angepasste Ausbringungsmuster für organische und synthetische Düngemittel, spezifische Biodüngemittel, Nutzung alternativer salztoleranter Gemüsearten und –sorten, sowie angepasste Fruchtfolgen und Zwischenfruchtanbau. Mit dieser Erkenntnis war die Projektidee geboren. Jakob und Matias waren motiviert, mit diesen von der Wissenschaft als vielversprechend suggerierten Managementansätzen zu experimentieren und schließlich praktische und lokal angepasste Lösungen zu identifizieren.

Seitdem haben sie daran gearbeitet, diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Nachdem ein Projektplan erarbeitet war, suchten sie nach geeigneten Partnerschaften für dessen Umsetzung. Insgesamt vier Institutionen konnten für das Unterfangen gewonnen werden und bündeln nun so ihre jeweiligen Expertisen. DAPPE als Hauptimplementierungspartner wird von ABIODES, einer mosambikanischen NGO mit langjähriger Erfahrung in der Förderung agrarökologischer Anbaumethoden, sowie von der Agrar- und Forstwirtschaftlichen Fakultät der UEM unterstützt. Weltweit übernimmt eine weitestgehend koordinierende Funktion, mit Unterstützung in den Bereichen Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit, und ähnlichem. Diese ersten Anstrengungen zeigten sich bereits erfolgreich und wir können optimistisch unserem Projektstart im September 2020 entgegensehen. Geschuldet ist dies maßgeblich der wertvollen finanziellen Unterstützung durch die “Conservation, Food & Health Foundation” und den “Hand-in-Hand Fonds”.

Wie bereits angedeutet, besteht das Hauptziel des Projektes darin, den großen Fundus an theoretischem Wissen zum Nexus „Bodenversalzung und Gemüsebau“  greifbar zu machen und in die Praxis zu übertragen. Das Projekt setzt dabei auf einen partizipativen und modularen Ansatz. Im Zentrum steht die kombinierte Durchführung von „Farmer Field Schools“ und wissenschaftlichen Feldversuchen. Die Idee ist es, Vertreter der lokalen kleinbäuerlichen Gemeinschaft aktiv in alle Aspekte der Forschungs- und Experimtierprozesse zu involvieren. Sie werden u.a. dabei helfen, die zu testenden Managementansätze auszuwählen, die Versuchsflächen zu betreuen, sowie die Experimentierergebnisse zu beurteilen. Gleichzeitig sorgt das Mitwirken der UEM für wissenschaftliche Fundiertheit. Im Idealfall wird das Projekt somit lokal angepasste Lösungen identifizieren und den örtlichen Kleinbauern zugänglich machen; und gleichzeitig, durch die Generierung und Veröffentlichung wissenschaftlicher Erkenntnisse, auch überregional einen Beitrag zu einschlägigen Forschungs- und Entwicklungsbemühungen leisten. Als ergänzendes Modul ist die Beschaffung von moderner mobiler Bodenmesstechnik und die Etablierung eines GIS-basierten Monitoringsystems zur Bodenversalzung angestrebt. Ein solches System wird es den lokalen Entscheidungsträgern in Zukunft ermöglichen, faktenbasierte und effizientere Landnutzungsentscheidungen innerhalb Maputos landwirtschaftlichen Grüngürtels zu treffen.

Erklärtes Ziel ist es, die experimentellen Aktivitäten des Projektes über mehrere Jahre und Anbauperioden durchzuführen. Regelmäßig werden wir hier über deren Fortschritt berichten.

Partner in diesem Projekt sind:

Dieses Projekt wird unterstützt von: