START N’LIGHT rurale Elektrifizierung Sierra Leone

  • Village youth are trained in PV technology

Pilotprojekt Elektrifizierung des ländlichen Raums West-Afrikas mit Solarenergie

In 2018 haben wir begonnen das Projekt von Mohamed Jah und Alpha Umar Jalloh in Westafrika zu unterstützen. Mohamed hat über 10 Jahre in den USA studiert und gearbeitet, zuletzt als Elektroingenieur für einen Telekommunikationsanbieter. Als er vor einigen Jahren wieder in seine Heimat Sierra Leone zurückkehrte, war er geschockt von der Armut auf dem Lande. Vor allem die Tatsache, dass die Kinder noch nicht einmal Licht haben, um ihre Hausaufgaben zu machen, hat ihn dazu bewegt, sich für die erschwingliche Elektrifizierung dieser Dörfer mit erneuerbarer Energie einzusetzen. Er gründete das Sozialunternehmen Start N’Light, und mit einem Team aus Freunden, die alle einen anderen Background haben, entwickelte er ein neuartiges Konzept, die intensive Sonnenstrahlung am Äquator zu nutzen.

Unser Mitgründer Alpha Kaloga, der zu dieser Zeit für den Green Climate Fund in Conakry, Guinea arbeitete, erfuhr von Start N’Light und Mohameds Bedarf nach Untersützung und Zusammenarbeit. Aplha war überzeugt, dass das Konzept und vor allem der Geist von Start N’Light beispielhaft für die ganze Region Westafrikas sein kann, und so beschloss er sich diesem Projekt anzunehmen. Alpha, der in Deutschland sein komplettes Studium absolviert hat und die internationale EZ auswendig kennt, ist unsere Süd-Nord Brücke und damit der offizielle Projektmanager.

Die Intensität der Sonnenstrahlung (gemessen in Kilowattstunde pro Quadratmeter pro Zeit) in Äquatornähe ist sehr viel höher, als sie es in Europa ist. Die Sonnenstrahlen treffen fast senkrecht auf die Erde, und das bedeutet, dass mehr Photonen pro Quadratmeter einschlagen, als in den nördlicheren oder südlicheren Breiten. Allderdings ist der Tag am Äquator recht kurz im Vergleich zu einem Sommertag in der gemäßigten Zone. Es herscht also intensive Strahlung für relativ kurze Zeit. Das Problem ist, dass die im Norden produzierten Solarmodule relativ lange brauchen, um eine Batterie zu laden, denn sie sind ausgelegt auf eine vergleichbar schwache Sonneneinstrahlung, die dafür lange anhält. Um eine Batterie schnell zu laden, müssen mehrere Module parallel geschaltet werden, denn die Geschwindigkeit, mit der eine Batterie geladen wird, hängt von der Spannung (Volt) des Ladestroms ab. Die maximale Spannung, die von einem Solarmodul abgegeben wird, ist vorbestimmt durch die Bauweise der Photovoltaikzellen und daher nicht varierbar. Da der Solarstrom am Äquator von einer intensiven Sonnenstrahlung herrührt, ist seine potentielle Stärke (Ampère) jedoch relativ hoch. Nun kann man mit Hilfe enes Transformators Spanung gegen Stärke eintauschen, dafür jedoch muss der Strom als Wechselstrom verfügbar sein. Der Gleichstrom aus dem Modul wird also durch einen Stromwandler zu Wechselstrom umgewandelt, dessen Stärke in einem Transformator verringert wird zu gunsten einer höheren Spannung. Mit dieser hohen Spannung lässt sich dann schneller eine Batterie laden, als wenn das Modul direkt an die Batterie angeschlossen ist. Man holt sozusagen aus einem Modul mehr raus und braucht damit insgesamt weniger Module.

Bei einem Auto übernimmt die Lichtmaschine diese Aufgabe. Sie übersetzt die Kraft aus dem Motor in eine hohe Ladungsspannung. Je höher die Drehzahl des Motors, desto höher die Ladungsspannung und desto schneller wird die Autobatterie geladen. In Mohammeds Team befinden sich auch Automechaniker, die sich diesem Prinzip annehmen. Start N’Light kombiniert Innovationen aus der Elektrotechnik mit solchen aus der Automobiltechnik und erschafft so ein völlig neues, an die lokalen Verhältnisse angepasstes Konzept eines Mini-Kraftwerks, das unabhängig vom nicht-vorhandenen Stromnetz die Familien, die landwirtschaftlichen Betriebe und ein entstehendes Gewerbe in den Dörfern mit Strom versorgt und dabei ausschließlich mit erneuerbaren Energien gespeist wird – im nächsten Schritt soll Windkraft integriert werden.

Ob das Konzept so gut funktioniert, wie erste Tests vermuten lassen, wird sich in diesem Pilotprojekt zeigen, in dem Mohamed nicht nur Licht in die Dunkelheit in zwei Dörfern bringen möchte, sondern auch den Ertrag von einem Versuchsfeld mit Hilfe einer solarstrombetriebenen Bewässerungsanlage verdoppeln möchte.

Seine Ziele in diesem ersten Projekt und die Schritte, wie er diese erreichen möchte, hat er folgendermaßen aufgeführt:

 

Das Besondere an diesem Projekt ist weniger das Vorhaben, durch Inselanlagen Strom in den ländlichen Raum Afrikas zu bringen – davon gibt es zurzeit Hunderte Projekte – als vielmehr, dass es sich dabei um eine Innovation “made in Africa” handelt. Ob diese wirklich besser funktioniert als auf dem Markt erhältliche Produkte, wird sich in diesem Projekt zeigen. Unter den Unterstützern und Partnern befinden sich jedenfalls auch Fachleute wie ein Professor des Fourah Bay College und das Ministerium für Energie. Die vielversprechenden Ergebnisse der ersten Versuche haben bei Mohammed, seinem Team und bei den vielen Involvierten aus den Dörfern eine regelrechte Euphorie ausbrechen lassen. Neulich erzählte er uns, dass er seine Freunde schon zügeln musste mit dem Verweis, sich erst einmal auf dieses Pilotprojekt zu konzentrieren, weil sie nun auch mit Erfindungsvorschlägen aus ganz anderen Bereichen wie beispielsweise der Pflanzenzucht auf ihn zukamen.

Es ist genau dieser Geist, den wir unterstützen und wachsen lassen möchten. Bislang haben wir Mohamed geholfen, seine Projektidee besser darzustellen und auf den Punkt zu bringen. Das hat schon dazu geführt, dass er eine Förderung von 30.000$ vom UNDP-GEF Programm erhalten hat, mit der er die ersten Schritte gehen kann. Vom Hand in Hand-Fonds haben wir ebenfalls eine Förderzusage erhalten.

Diese Projekt wird unterstützt vom:

UNDP-GEF, Hand in Hand-Fonds