Kommunales Samenhaus, Borneo

  • The project area is located in the sub-district of Manuhing Raya, Central Borneo. On its area of about 200,000 hectares, there are a total of six Dayak settlements. Three of these settlements are involved in our project. They inhabit and manage a rainforest area of 28,200 hectares

Einrichtung kommunaler Saatgutbanken zum Erhalt der Biodiversität des Regenwaldes auf Borneo, Indonesien

Standy Christianto ist Absolvent des Bonner Masterstudiengangs Agricultural Science and Resource Management in the Tropics and Subtropics.  Er hat 2018 an unserem Monitoring&Evaluation Workshop teilgenommen, steht aber schon seit 2017 mit Weltweit in Verbindung. Nach seinem Studienabschluß ist er 2019 zurück in seine Heimat nach Indonesien gezogen und hat eine Stelle im Borneo Institute (BIT), eine von Indigenen auf Borneo gegründete zivile Organisation, angenommen. Das BIT setzt sich für den Erhalt der Ökosysteme und der Rechte der Dayak, der indigenen Bevölkerung, auf Borneo ein.

Die Insel Kalimantan (Borneo) ist bekannt für seine riesigen Palmölplantagen und den ökologischen Schäden, die mit diesen einhergehen. Durch die ungebrochene Ausbreitung der Plantagen verschwindet nicht nur der Lebensraum der Orang-Utan, auch viele einheimische Pflanzen sind vom Aussterben bedroht. Der Verlust von Biodiversität hat einen fatalen Einfluss auf die Lebensweise und das soziale Gefüge der Dayak, denn diese leben von den natürlichen Ressourcen des Regenwaldes und gleichzeitig schützen sie ihn.

Die Dayak praktizieren eine traditionelle Methode der Landwirtschaft. Sie sammeln Samen von einheimischen Nutzpflanzen und bauen diese auf kleinen Feldern an. Sie sind angewiesen auf ein natürliches Vorkommen dieser Pflanzen in der näheren Umgebung, doch wegen der Ausdünnung und Zerstückelung des Regenwaldes durch die Palmölplantagen müssen die Dayak mittlerweile weite Strecken laufen, um ihr Saatgut zu finden. Das hat zur Folge, dass die Dayak auf modernes Hybridsaatgut zurück greifen, welches sie auf den Märkten und von Händlern beziehen. Diese modernen Sorten benötigen jedoch gänzlich andere Anbaumethoden. Sie brauchen Dünger und Pestizide, um wie gewünscht zu gedeihen, und sie sind in den meisten Fällen nicht an die lokalen ökologischen Gegebenheiten angepasst. Da die Landwirtschaft im Mittelpunkt des Lebensalltags der Dayak steht, zieht deren „Modernisierung“ auch eine Veränderung der individuellen und gesellschaftlichen Lebensweise nach sich. Traditionelle, sich an den landwirtschaftlichen Kalender orientierende Feste, Rollen- und Aufgabenverteilungen innerhalb der Gemeinschaft, Tradierungen zwischen Alt und Jung, all das wird über den Haufen geworfen, und es hat zur Folge das Gemeinschaften auseinanderbrechen und vermehrt junge Dayak die Dörfer in den Wäldern verlassen oder schlecht bezahlte Arbeit auf den Palmölplantagen suchen.

Das wiederrum hat Folgen für den Schutz des Regenwaldes. Die Dayak leben von einem intakten Ökosystem, sie erhalten es und ihre Gemeinschaften bilden eine Hürde gegen die ansonsten ungebremste Ausbreitung der industriellen Palmölplantagen und der Zerstörung der Ökosysteme. Die Umstellung der traditionellen zur „modernen“ Landwirtschaft zerreißt ihr innergemeinschaftliches Sozialgefüge. Sie verlassen die Walddörfer oder suchen Arbeit auf den großen Plantagen, und mittelfristig verlieren damit die in dem Wald lebenden Dayak Gemeinschaften ihre Funktion als Beschützer und Pfleger des Regenwaldes.

Um diesen Teufelskreis zu brechen, ist es notwendig, dass die Dayak weiterhin ihre traditionelle Form der Landwirtschaft betreiben können, trotz des Druckes durch die Palmölindustrie. Standys Projekt möchte dafür eine der Voraussetzungen schaffen: Verfügbarkeit von traditionellen Saatgut.  In seinem ersten von ihm gemanagten Projekt soll eine gemeinschaftlich geführte Samenbank in der Region Manuhing Raya in Zentral Kalimantan aufgebaut werden. Dieses kommunale „Samenhaus“ soll von mindestens 100 Bauern aus drei Dörfern genutzt werden. Es wird eine Kapazität zum Lagern von 50 Pflanzenarten haben und es den Dayak ermöglichen, ihr eigens vermehrtes Saatgut verlustfrei und mit längerer Haltbarkeit einzulagern. Wenn die Bauernfamilien zusätzliches Saatgut für den Anbau benötigen, können sie es aus der Samenbank nehmen, oder wenn sie in Notfällen Geld benötigen, können sie ihre Saatguteinlage verkaufen. Das Samenhaus dient damit als Puffer gegen ökologische wie auch wirtschaftliche Verluste. Mindestens 50 Dorfbewohner werden im Management der kommunalen Samenbank geschult, dazu gehört neben dem ökologischen Biodiversitätsmanagement auch eine Finanzschulung.

Die übergeordneten Ziele teilt Standys Projekt mit vergleichbaren Projekten in anderen Regionen der Welt, in denen kommunale Saatguthäuser etabliert werden. Sie zielen darauf ab, (1) das Wissen über auf Vielfalt basierenden Landwirtschaftssystemen zu stärken, (2) die Widerstandsfähigkeit der natürlichen Agrarökosysteme gegenüber Umweltveränderungen durch die partizipative Methode zu erhöhen und (3) die Rolle und das Fachwissen vor allem von Frauen bei der Auswahl, Produktion, Lagerung und Verteilung von Saatgut in den bäuerlichen Gemeinschaften zu verbessern.

Über den Verlauf und Erfolg werden wir, wie auch im Falle unserer anderen Projekte, auf unseren Facebook und Instagram Seiten berichten, sowie offizielle Berichte in separaten Dateien hier veröffentlichen. Die andere Voraussetzung, um durch die Stärkung der Dayak Gemeinschaften den Regenwald zu schützen, ist natürlich, den Kleinbauern Landrechte zu zugestehen und diese gegen die Palmölindustrie zu verteidigen. In einem anderen Projekt verfolgt das BIT diesen Ansatz und nutzt dazu als Dokumentation die Webseite: www.borneologi.com. Diese sich im Aufbau befindende Seite wird nun benutzt, um auch Ergebnisse aus Standys Projekt zu veröffentlichen.

Dieses Projekt wird unterstützt durch:

Stiftung Ursula Merz