Projektzusammenfassung
Start N’Light Africa ist ein 2017 gegründetes Sozialunternehmen, das sich von einer Initiative zur ländlichen Elektrifizierung zu einem Bildungs-Leuchtturm entwickelt hat. Nach dem Aufbau einer eigenständigen Energieversorgung und Bewässerungssystemen im Dorf Kabomboh liegt der Fokus nun in der dritten Phase des Projekts auf der Start N’Light Academy: Ein Ausbildungszentrum, das junge Menschen praxisnah in PV-Installation und IT qualifiziert, um Wissen zu multiplizieren und nachhaltige Perspektiven vor Ort zu schaffen.
Projekt Manager
Land
Sierra Leone
Status
3. Phase: Start N’Light Academy (Beginn 1. Oktober 2025)
Budget
23.095 €
Dokumente
Partner
UNDP – GEF
Hand in Hand Fonds
EWS Elektrizitätswerke Schönau
cdw Stiftung
ClimaClic – die Klimalotterie
Land Hessen
Projektziele
Ausbildung: Qualifizierung von 20 jungen Menschen in PV-Installation und IKT innerhalb von 12 Monaten; langfristige Sicherung von 60 Ausbildungsplätzen.
Infrastruktur: Ausstattung von 4 Klassenräumen im Ausbildungszentrum.
Landwirtschaft: Das Bewässerungssystem auf mindestens 3,5 Hektar erweitern.
Nachhaltigkeit: Etablierung eines Stipendienfonds mit Rückzahlungsmodell.
Wirtschaftswachstum: Den Kleingewerbe Park ausbauen und Kooperativen zur Weiterverarbeitung von Reis und Maniok etablieren.
Die Entstehungsgeschichte
In 2018 haben wir begonnen das Projekt von Mohamed Jah und Alpha Umar Jalloh in Westafrika zu unterstützen. Mohamed hat über 10 Jahre in den USA studiert und gearbeitet, zuletzt als Elektroingenieur für einen Telekommunikationsanbieter. Als er vor einigen Jahren wieder in seine Heimat Sierra Leone zurückkehrte, war er geschockt von der Armut auf dem Lande. Vor allem die Tatsache, dass die Kinder noch nicht einmal Licht haben, um ihre Hausaufgaben zu machen, hat ihn dazu bewegt, sich für die erschwingliche Elektrifizierung dieser Dörfer mit erneuerbarer Energie einzusetzen. Er gründete das Sozialunternehmen Start N’Light, und mit einem Team aus Freunden, die alle einen anderen Background haben, entwickelte er ein neuartiges Konzept, die intensive Sonnenstrahlung am Äquator zu nutzen.
Weltweit Mitgründer Alpha Kaloga, der zu dieser Zeit für den Green Climate Fund in Conakry, Guinea arbeitete, erfuhr von Start N’Light und Mohameds Bedarf nach Unterstützung und Zusammenarbeit. Alpha ist überzeugt, dass das Konzept und vor allem der Geist von Start N’Light beispielhaft für die ganze Region Westafrikas sein kann, und daher beschloss er, sich diesem Projekt anzunehmen. Alpha, der in Deutschland sein komplettes Studium absolviert hat und die internationale EZ auswendig kennt, ist unsere Süd-Nord Brücke.
Innovation „Made in Africa“
Start N’Light verfolgt einen pragmatischen Ansatz: Anstatt teure Standardlösungen zu importieren, kombiniert das Team Innovationen aus der Elektrotechnik mit pragmatischen Lösungen aus der Automobiltechnik. In Mohammeds Team befinden sich auch Automechaniker, die dabei halfen, ein völlig neues, an die lokalen Verhältnisse angepasstes Konzept eines Mini-Kraftwerks zu entwickeln. Dieses nutzt die intensive Äquatorsonne effizienter und versorgt Familien, landwirtschaftliche Betriebe und ein entstehendes Gewerbe unabhängig vom nicht-vorhandenen Stromnetz – ausschließlich gespeist mit erneuerbaren Energien. Im nächsten Schritt soll Wind- und Wasserkraft integriert werden.
Das Besondere an Start N’Light ist weniger das Vorhaben, durch Inselanlagen Strom in den ländlichen Raum Afrikas zu bringen – davon gibt es zurzeit Hunderte Projekte – als vielmehr, dass es sich dabei um eine Innovation „made in Africa“ handelt. Unter den Unterstützern und Partnern befinden sich auch Fachleute wie ein Professor des Fourah Bay College und das Ministerium für Energie. Die vielversprechenden Ergebnisse der ersten Projektphase haben bei Mohammed, seinem Team und bei den vielen Involvierten aus den Dörfern eine regelrechte Euphorie ausbrechen lassen, die ein starkes Indiz ist für eine selbstbestimmte Entwicklung.
Hintergrund und Herausforderungen
Die Dörfer im ländlichen Sierra Leone werden nicht in absehbarer Zeit an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. 2017 wurde nur 1% der ländlichen Gebiete mit Strom versorgt, in der Projektregion sind es 0%. Sogar wenn das Netz erweitert würde, kann dessen Kapazität den Bedarf nicht decken; Stromausfälle sind an der Tagesordnung. 95% der Bewohner im Projektgebiet sind Kleinbauern, aber die Landwirtschaft beschränkt sich ausschließlich auf Regenfeldbau, wodurch nur 6 Monate im Jahr produktiv genutzt werden können. Ohne erschwinglichen Strom kann sich kein wachsendes Gewerbe entwickeln, und die jungen Menschen wandern in die Städte ab, wo sie aufgrund von geringer bis fehlender Bildung in z.B. EDV nur geringe Jobmöglichkeiten haben.
Mohamed Jah möchte mit seinem ganzheitlichen Projektansatz Start N’Light zu einem landesweiten Versorger für erneuerbare Energie im ländlichen Raum aufbauen. Seine Projektaktivitäten bezogen sich bisher auf zwei Dörfer und beinhalteten den Aufbau eines Schulungszentrums, die Einrichtung einer PV betriebenen Mikrobewässerung für 120 Kleinbäuerinnen, die Versorgung von 200 Haushalten mit Solarstrom und die Errichtung eines Kleingewerbeparks.
Lernen und Weiterentwickeln (Update 2023)
Die anfängliche Euphorie um die innovative Anlage, die eine schnellere Ladung ermöglichen sollte, hat sich in Kabomboh etwas gelegt, weil die technische Umsetzung in der Praxis mit Effizienzverlusten einherging und sich auf die Dauer nicht rechnete. Doch gerade dieser Lernprozess ist Teil echter Innovation.
Viel wichtiger ist: Die Motivation bei der Bevölkerung ist geblieben. Start N’Light hat den Menschen gezeigt, dass sie ihre Zukunft selber in die Hand nehmen können und deswegen ist die Bevölkerung in Kabomboh und den umliegenden Dörfern bereit mit anzupacken. Dieser Wille hat die cdw Stiftung aus Kassel überzeugt, eine langfristige Partnerschaft mit Mohamed Jah und Start N’Light einzugehen. Die cdw Stiftung hat einen 50kw Solarterminal finanziert, der in Zusammenarbeit eines deutschen Ingenieurs mit dem Team von Start N’Light Anfang 2025 in Betrieb genommen wurde und nun ganz Kabomboh mit Strom versorgt.
Ausblick Phase 3: Die Start N’Light Academy (Update 2025)
Aufbauend auf diesen Erfahrungen und der stabilisierten Energieversorgung startet nun die dritte Phase: Die Start N’Light Academy. Das Dorf Kabomboh ist inzwischen grenzüberschreitend bekannt, und mehrmals wöchentlich fragen junge Menschen bei Mohamed nach Ausbildungsplätzen. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, bildet Start N’Light ab Oktober 2025 im ersten Jahrgang 20 junge Menschen in Photovoltaik-Installation und Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) aus.
Dabei wird Bildung direkt mit lokaler Wertschöpfung verknüpft: Die Auszubildenden wenden ihr Wissen praktisch an, indem sie beispielsweise das Bewässerungssystem der lokalen „Mahoyo“-Frauengruppe analysieren und von 2,4 auf 3,5 Hektar erweitern. Dies sichert nicht nur die Ernährung, sondern dient als echtes Lernfeld.
Um die Akademie langfristig unabhängig von Spenden zu machen, wird ein innovativer Stipendienfonds eingerichtet: Die Ausbildung ist für die Teilnehmer vorfinanziert, doch sie zahlen später einen Teil ihres Stipendiums zurück, sobald sie durch von Start N’Light vermittelte Aufträge eigenes Einkommen erzielen. So finanziert eine Generation die nächste.
Diese dritte Projektphase wird von der EWS-Schönau, die auch schon Mohameds Projekt im ersten Jahr unterstützt hat, und dem Land Hessen mitfinanziert. Außerdem ist die ClimaClic Lotterie schon seit 2024 ein verlässlicher Förderer. Wer bei der Climaclic Lotterie ein Los kauft, kann damit das Start N’Light Projekt indirekt fördern.